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Pascendi Dominici Gregis

Heute vor 107 Jahren, am 8. September 1907, veröffentlichte der hl. Papst Pius X. seine Enzyklika Pascendi Dominici Gregis - eine Abrechnung mit dem Modernismus von bestürzender Aktualität. Zweierlei ist, wenn man dieses Dokument heute erneut liest, enorm irritierend: Zum einen die Tatsache, daß buchstäblich alles, was Papst Pius X. seinerzeit als Irrtümer brandmarkte, heute zum anerkannten Bestand theologischer Universitätslehre gehören soll und auch von höchsten kirchlichen Würdenträgern widerspruchslos akzeptiert, wenn nicht gar aktiv verbreitet wird. Und zum anderen der Umstand, daß diese Entwicklung eintreten und sich durchsetzen konnte, obwohl die Verurteilung des Modernismus noch 1950 von Pius XII. in Humani Generis mit Entschiedenheit wiederholt und Pius X. selbst 1954 durch seine Heiligsprechung - es war die erste eines Papstes seit 400 Jahren - quasi in den Rang eines Kirchenlehrers erhoben worden war. Und als dritte Irritation kommt natürlich hinzu, daß es auch angesichts dieser Entwicklung als äußerst unzulässig, ja geradezu verdammungswürdig gelten soll, von einem „Bruch“ zu sprechen, der sich in der Überlieferung des Glaubens in der 2. Hälfte des 20. Jh. ereignet hat.

Wir können gespannt darauf sein, welche begrifflichen Akrobatenstücke unter dem Zeichen der „lebendigen Tradition“ man uns in den nächsten Jahren zumuten wird, um die unheilbaren Widersprüche zwischen dem Text von 1907 und der Realität von 2007 ff. wegzuerklären. Aber hat uns da nicht ein anderer Heiliger, der neuerdings wieder stark in Mode kommt, einen frommen Ausweg vorgezeichnet? „Und wenn die Kirche, was unserem Auge weiß erscheint, als schwarz definiert, so sind wir verpflichtet, es für schwarz zu erklären“, habe der Gründer des Jesuitenordens Ignatius v. Loyola einst geschrieben, wird vorbeugend zitiert. Dabei sprach er freilich von dem, was „dem Auge weiß erscheint“, also von der Wahrnehmung einer Sache, nicht von deren objektiver Eigenschaft.

Derlei ist allerdings eine Distinktion, zu der die akademische Theologie samt deren römischen Metastasen nach 50 Jahren modernistischer Praxis kaum noch fähig sein dürfte.

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