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Mein Haus ist keine Räuberhöhle

Das zensierte Evangelium II.

Bild: Erzdiözese WienDie Tabelle von Mathew Hazell zu den Lesungen der Fastenzeit in der überlieferten und der 'erneuerten' Liturgie bietet interessante Einblicke in die Glaubensverkündigung, die den Machern des Novus Ordo seinerzeit vor Augen gestanden hat. Allerdings sind die wenigstens von uns so bibelfest, daß sie bei der Nenneung der Perikopen gleich wissen, welche Stelle gemeint ist - und die meisten haben nicht die Zeit, das für jede Stellenangabe nachzuschlagen. Wir wollen daher der nüchternen Tabelle ein wenig Fleisch auf die Knochen geben und der Reihe nach alle die Stellen hier wiedergeben, die die Reformer nicht nur verschoben oder gekürzt, sondern ganz aus dem Missale modernum gestrichen haben.

Am Dienstag der Woche nach dem ersten Fastensonntag traf das deleatur des Consiliums die berühmte Stelle aus dem Matthäusevangelium von der Vertreibung der Geldwechsler und Anbieter von Opfertieren aus dem Tempel. Sie wird ersetzt durch den zweifellos ebenfalls zentralen Abschnitt ebenfalls aus dem Evangelium nach Matthäus (6, 7-15) von der Unterrichtung der Jünger im Gebet des Herrn. Es kann hier unsererseits also nicht darum gehen, einzelne Stellen des Evangeliums als wichtiger als andere zu werten - höchstens darum, den Reformern vorzuwerfen, ihrerseits eine solche Wertung vorgenommen und ohne Rücksicht auf eine weit über tausendjährige Tradition durchgesetzt zu haben. 

Es soll übrigens nicht verschwiegen werden, daß die Reform den Bericht von der Tempelreinigung, der bei allen vier Evangelisten überliefert ist, nicht vollständig aus dem Missale gestrichen haben: Er taucht in der Fassung des hl. Johannes (2, 13-25) am 3. Fastensonntag im 2. Lesejahr auf. Das merkwürdige dabei ist, daß Johannes die Tempelreinigung nicht als Beginn des Passionsgeschehens darstellt,  wie die drei andern Evangelisten, sondern an den Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu überhaupt stellt - unmittelbar im Anschluß an das Weinwunder von Canaa. Schwer zu erkennen, warum das Consilium ausgerechnet diese Fassung für einen Fastensonntag ausgewählt hat.

Hier nun der Bericht von der Reinigung des Tempels in der Fassung des hl. Matthäus (Übersetzung Allioli), die im neuen Missale keinen Platz mehr gefunden hat:

Als er nun zu Jerusalem eingezogen, kam die ganze Stadt in Bewegung und sprach: Wer ist dieser? Die Scharen aber sprachen: Dieser ist Jesus, der Prophet von Nazareth in Galiläa. Und Jesus ging in den Tempel Gottes, trieb Alle hinaus, die im Tempel kauften und verkauften, stieß die Tische der Wechsler und die Stühle der Taubenhändler um, und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: Mein Haus soll ein Bethaus heißen, ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht. Un es kamen zu ihm die Blinden und Lahmen im Tempel, und er machte sie gesund. Da nun die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, welche er wirkte, und die Kinder, die im Tempel schrien und sprachen: Hosanna dem Sohne Davids! wurden sie unwillig, und sprachen zu ihm: Hörst Du was diese sagen? Jesus aber sprach zu ihnen: Ja freilich! Habt ihr denn niemals gelesen: Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast Du (dir) Lob bereitet. Und er verließ sie, und ging zur Stadt hinaus nach Bethanien, wo er blieb.

 

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