„DIE SORGE DER PÄPSTE ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt.“ (Summorum Pontificum 2007)
Themen und Meldungen:
Statio in Ss. Cosma e Damiano
- Details
- 07. März 2013
Stationskirche des Donnerstags nach dem dritten Fastensonntag ist Santi Cosma et Damiano mitten im Forum Romanum an der Via Sacra. Da die Donnerstage erst spät ihre Statio erhielten, stand für diesen Tag keine der älteren Titelkirchen mehr zur Verfügung - statt dessen wählte man die erst im 6. Jahrhundert von Papst Felix IV. geweihte Kirche der beiden Märtyrer Cosmas und Damian. Der Raum selbst ist freilich wesentlich älter: Der nach Norden gelegene rechteckige Bau enthielt ursprünglich zwei große Säle unbekannter Bestimmung. Da an der (auf dem Bild nicht sichtbaren) nördlichen Schmalseite der marmorne Stadtplan Roms aus den Jahren 203 - 211 befestigt gewesen sein soll, sehen viele darin das Katasterarchiv aus dem zweiten Jahrhundert. Der davor gelegene Rundbau gilt als Gedenkstätte für Valerius Romulus - nicht den legendären Stadtgründer, sondern den 309 gestorbenen Sohn des Kaisers Maxentius, dessen gewaltige Basilika unmittelbar östlich angrenzt. Die gerne gebrauchte Bezeichnung „Tempel des Romulus“ ist also einigermaßen irreführend.
Statio in S. Sisto Vecchio
- Details
- 06. März 2013
Stationskirche des Mittwoch nach dem dritten Fastensonntag ist die Kirche des hl. Papstes Xystus II. an der Viale delle Terme di Caracalla - direkt den Ruinen gegenüber. Auch sie gehört zu den alten Tituli der Stadt, erstmals erwähnt als Titulus Crescentianae Ende des 5. Jahrhunderts. Der heutige Bau stammt allerdings erst aus dem 18. Jahrhundert und enthält praktisch nichts mehr, was vor das 15. Jahrhundert zurückreicht - nur eine große Erinnerung: San Sisto war die erste Kirche, die im frühen 13. Jahrhundert dem hl. Dominikus zugewiesen wurde, und im an der Kirche liegenden Konvent leben noch heute - oder besser: nach einer sehr wechselvollen Geschichte heute wieder - Dominikanerinnen. An sie muß man sich wenden, wenn man einen Blick in die allgemein nicht zugängliche Kirche werfen will.
Die Talsenke zwischen Aventin und Caelius, in der San Sisto liegt, beherbergte noch im frühen Mittelalter vielerlei Erinnerungen aus heidnischer Zeit, an Götter, Nymphen und heilige und daher heilkräftige Quellen. Da erschien die dem bei den Römern hoch geschätzten Märtyrerpapst Xystus geweihte Kirche durchaus geeignet, die Katechumenen in der Woche der Scrutinien an diesen Ort zu führen und ihnen die Macht und den Herrschaftsanspruch des wahren Gottes vor Augen zu stellen. Die Lesung bringt aus dem 2. Buch Mose den dramatischen Bericht von der Übergabe der Gebote an Israel und schließt mit der Ermahnung: „Ihr habt gesehen, daß ich vom Himmel zu euch gesprochen habe. Macht euch keine Götter aus Silber, noch macht euch Götter aus Gold. Aus Erde sollt ihr mir einen Altar erstellen und auf diesem Eure Opfer (...) darbringen“. Das Evangelium nach Matthäus 15 greift das Thema der Gebote auf und schärft den Hörern ein, die Gebote Gottes höher zu achten als Satzungen und Gewohnheiten der Menschen. Die oratio super populum enthält Anklänge eines Exorzismus: „Wir bitten Dich, allmächtiger, Gott, laß uns, die wir nach Deinem gnadenvollen Schutz verlangen, von jeglichem Übel befreit Dir ohne Furcht dienen.“
Statio in S. Pudentiana
- Details
- 05. März 2013
Die Kirche der hl. Pudentiana, an der die Statio des Dienstags in der dritten Fastenwoche gehalten wird, liegt unmittelbar hinter Maria Maggiore am Fuß des Viminal. Die altrömischen Kellergewölbe, über denen diese Kirche errichtet wurde und die bis ins 9. Jahrhundert in Benutzung waren, bildeten offenbar bereits im 3. Jahrhundert Bestandteile des dort bestehenden Titulus Pudentis. Nicht nur die Bauteile, auch urkundliche Erwähnungen reichen bis in diese Zeit zurück - das macht S. Pudentiana zu einer der ältesten nachweisbaren Titelkirchen Roms. In der Chorapsis sind heute noch Mauerteile dieses Baues aus der Kaiserzeit sichtbar.
Ende des 16. Jahrhunderts wurde der aus dem 4. Jahrhundert stammende Kirchenbau barock überformt, ohne ihn in seinen Grundzügen wesentlich zu verändern. Wie in anderen Fällen auch, diente diese Erneuerung nicht nur einer Anpassung an die aktuelle Mode, sondern hatte auch konservatorische Absichten, da die teilweise tausend Jahre alten Gemäuer in vielen Fällen vom Einsturz bedroht waren. In S. Pudentiana wird das besonders deutlich sichtbar: Hier wurden die antiken Säulen nicht vollständig in neue tragfähigere Pfeiler eingemauert, sondern blieben in der nach dem Mittelschiff hin offen gelassenen Ummauerung weiterhin sichtbar.
Statio in S. Marco
- Details
- 04. März 2013
Die Stationskirche des Montags in der 3. Fastenwoche liegt an der Piazza San Marco, sie geht auf einen von Papsts Markus im Jahre 336 gegründeten Titulus zurück, gegenwärtiger Kardinalpriester ist der Italiener Marco Cé. Ab dem späten Mittelalter diente die Kirche auch als „Nationalkirche“ der Repubblica di Venezia, deren Gesandschaft im Palazzo Venezia gleich nebenan liegt. Die Mosaiken in der Apsis und große Teile des Baukörpers stammen aus eine Erneuerung des Baues im frühen 9. Jahrhundert, die barocke Innenausstattung wurde bei Erneuerungsarbeiten im 17. und 18. Jahrundert vorgenommen.
Die Liturgie des Tages steht wieder im Zeichen der Taufvorbereitung. Die Lesung aus dem 4. Buch der Könige berichtet von dem Syrischen - also einem heidnischen - Heerführer Naaman, der auf Geheiß des Propheten Elisäus sieben mal im Jordan badete und dadurch vom Aussatz geheilt wurde, so daß er das Glaubensbekenntnis ablegte:
Wahrlich, ich erkenne, daß es keinen Gott gibt auf der ganzen Erde, außer in Israel.“
Das Evangelium nach dem hl. Lukas berichtet sodann von der Predigt Jesu in der Synagoge Kapharnaum, wo er der Gemeinde vortrug:
Kein Prophet ist willkommen in seiner Heimat. ... So gab es auch zur Zeit des Propheten Elisäus in Israel viele Aussätzige, aber keiner von ihnen wurde gereinigt, sondern nur Naaman, der Syrer. Bei diesen Worten wurden alle in der Synagoge voll Zorn, sie sprangen auf, stießen ihn zur Stadt hinaus und ... wollten ihn steinigen.“
Die Botschaft an die Katechumenen war klar: Der Gott Israels ist der einzige Gott des Heils - aber dieses Heil erwirbt man nicht durch die Geburt im Volk Israels, sondern wird denen geschenkt, die glauben und den Willen Gottes tun.
Statio in S. Lorenzo fuori le mura
- Details
- 03. März 2013
Mit der Prozession zu S. Lorenzo fuori le mura verlässt die Statio heute zum ersten Mal den engen innerstädtischen Bereich: Todesurteile konnten in der Antike nur außerhalb der Stadtmauern vollstreckt werden, und deshalb sind die direkt über den Martyriumsplätzen errichteten Kirchen in weitem Umkreis um das Stadtzentrum verstreut. S. Lorenzo liegt an der alten Via Tiburtina nach Tivoli und ist heute vom größten Friedhof der Stadt, dem Cimitero del Verano, umgeben.
Vom heiligen Laurentius und seinem frechen Mundwerk war hier schon die Rede, wenden wir uns also zunächst der Kirche zu. Ihre merkwürdig langgezogene Gestalt bezeugt eine ganz besondere Baugeschichte: Der größere Vorderteil der Kirche wurde im 13. Jahrhundert an eine Kirche aus dem 6. Jahrhundert angebaut. Deren Fußboden wurde um ein gutes Stück aufgefüllt, jedoch wurden wesentliche Teile der Ausstattung, darunter die Chorschranken und die Ambonen, vorher geborgen und anschließend auf der neuen Höhe wieder aufgestellt. Das Alte Schiff samt seinen Seitenschiffen wurde zum Chorraum. Diese ältere Kirche geht bis in die Zeit Kaiser Konstantins zurück und war so angelegt worden, daß das früher unter der Erde liegende Grab des Heiligen nun mitten in der Kirche zu stehen kam. Die zur späteren Anhebung des Bodens getroffenen Maßnahmen geben dem Kirchenraum ein ganz ungewöhnliches Aussehen. Der Bau war mit reichen Mosaiken und Fresken aus der Entstehungszeit der jeweiligen Bauteile geschmückt. Diese wurden bei der weitgehenden Zerstörung der Kirche durch alliierte Bombenangriffe 1943 zum großen Teil vernichtet.
Mit dem dritten Fastensonntag ging die Vorbereitung der Katechumenen auf die an Ostern erfolgende Taufe in ein entscheidendes Stadium: Die sogenannten Scrutinien - eine Art von Katechismusprüfung. Außerdem wurden die Katechumenen an diesem Tag dem auch heute noch zum überlieferten Taufritus gehörenden Exorzismus unterzogen. Die Liturgie des Tages reflektiert das insbesondere in den Lesungen: Die Epistel bringt aus dem Brief an die Epheser die ausführlich eingeleitete und begründete Ermahnung „Wandelt als Kinder des Lichtes“. Das Evangelium liest den Bericht Lukas' über die Austreibung des stummen Dämon, der bei seiner Rückkehr das Haus „gereinigt und geschmückt“ vorfindet und mit sieben anderen wieder einzieht: „Die letzten Dinge dieses Menschen werden ärger sein als die ersten“. Die Wahl der Grabeskirche des hl. Laurentius als Statio für diesen Tag begründet sich damit, daß Laurentius in besonderem Maße als Schutzheiliger der Katechumenen angesehen wurde.
Statio in Santi Marcellino e Pietro
- Details
- 02. März 2013
Statio des Samstags nach dem zweiten Fastensonntag ist Santi Marcellino e Pietro al Laterano - wohl zu unterscheiden von Santi Marcellino e Pietro a Catacombe beim Mausoleum der Kaiserin Helena an der Via Casilina, gut außerhalb der Stadtmauern. Die heutige Stationskirche liegt demgegenüber nahe beim Lateran an der schnurgeraden Via Merulana - dem alten Pilgerweg zwischen Lateran und Maria Maggiore.
Auch diese Kirche gehört zu den alten Titelkirchen, erstmals wohl als Titulus Nicomedis Ende des 6. Jahrhunderts erwähnt. Von dieser alten Kirche und ihren Nachfolgebauten aus dem 8. und 13. Jahrhundert ist in der heutigen Kirche nichts mehr erhalten - sie ist von Grund auf ein Neubau aus der Mitte des 18. Jahhunderts. Damals wurden in der üblichen Tiefe unter dem heutigen Niveau Mauerreste der Vorgängerbauten gefunden, aber nicht systematisch erfasst. Die darüber erhaltenen Aufzeichnungen deuten jedoch daraufhin, daß diese Vorgänger größer waren als die heutige Kirche. Es steht zu vermuten, daß von diesen Bauten auch im 18. Jahrhundert kaum noch kümmerliche Reste erhalten waren: Das Areal war seit dem frühen Mittelalter nicht mehr besiedelt und diente teils als Gartenland, teils als Weide für Schafe und Rinder.
Die Heiligen Marcellinus und Petrus sind Märtyrer aus der Zeit der diokletianischen Verfolgungen - anscheinend war Marcellinus der Presbyter und Petrus der Exorcist einer Gemeinde. Die Legenda Aurea weiß zu berichteten, daß ihr leuchtendes Beispiel mehrere der für ihre Gefangenschaft zuständigen Beamten zum Glauben bekehrt habe, die alsdann mit ihnen getötet worden seien - schließlich sogar ihren Henker:
Da sah der Scharfrichter, Dorotheus mit Namen, wie die Seelen der Heiligen in lichten Kleidern und mit Edelsteinen geziert von den Engeln gen Himmel geführt wurden. Davon ward er zum Christenglauben bekehrt, und nach langer Zeit entschlief er in Frieden."
Die Liturgie des Tages berichtet in der Lesung vom Brüderpaar Jakob und Esau und bringt im Evangelium das Gleichnis vom Verlorenen Sohn und dessen unzufriedenem Bruder. Ein Zusammenhang zum geistigen Brüderpaar der Märtyrer des Tages ist zu vermuten, jedoch schwer eindeutig nachzuvollziehen.


