„DIE SORGE DER PÄPSTE ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt.“ (Summorum Pontificum 2007)
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Statio in S. Marco
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- 04. März 2013
Die Stationskirche des Montags in der 3. Fastenwoche liegt an der Piazza San Marco, sie geht auf einen von Papsts Markus im Jahre 336 gegründeten Titulus zurück, gegenwärtiger Kardinalpriester ist der Italiener Marco Cé. Ab dem späten Mittelalter diente die Kirche auch als „Nationalkirche“ der Repubblica di Venezia, deren Gesandschaft im Palazzo Venezia gleich nebenan liegt. Die Mosaiken in der Apsis und große Teile des Baukörpers stammen aus eine Erneuerung des Baues im frühen 9. Jahrhundert, die barocke Innenausstattung wurde bei Erneuerungsarbeiten im 17. und 18. Jahrundert vorgenommen.
Die Liturgie des Tages steht wieder im Zeichen der Taufvorbereitung. Die Lesung aus dem 4. Buch der Könige berichtet von dem Syrischen - also einem heidnischen - Heerführer Naaman, der auf Geheiß des Propheten Elisäus sieben mal im Jordan badete und dadurch vom Aussatz geheilt wurde, so daß er das Glaubensbekenntnis ablegte:
Wahrlich, ich erkenne, daß es keinen Gott gibt auf der ganzen Erde, außer in Israel.“
Das Evangelium nach dem hl. Lukas berichtet sodann von der Predigt Jesu in der Synagoge Kapharnaum, wo er der Gemeinde vortrug:
Kein Prophet ist willkommen in seiner Heimat. ... So gab es auch zur Zeit des Propheten Elisäus in Israel viele Aussätzige, aber keiner von ihnen wurde gereinigt, sondern nur Naaman, der Syrer. Bei diesen Worten wurden alle in der Synagoge voll Zorn, sie sprangen auf, stießen ihn zur Stadt hinaus und ... wollten ihn steinigen.“
Die Botschaft an die Katechumenen war klar: Der Gott Israels ist der einzige Gott des Heils - aber dieses Heil erwirbt man nicht durch die Geburt im Volk Israels, sondern wird denen geschenkt, die glauben und den Willen Gottes tun.
Statio in S. Lorenzo fuori le mura
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- 03. März 2013
Mit der Prozession zu S. Lorenzo fuori le mura verlässt die Statio heute zum ersten Mal den engen innerstädtischen Bereich: Todesurteile konnten in der Antike nur außerhalb der Stadtmauern vollstreckt werden, und deshalb sind die direkt über den Martyriumsplätzen errichteten Kirchen in weitem Umkreis um das Stadtzentrum verstreut. S. Lorenzo liegt an der alten Via Tiburtina nach Tivoli und ist heute vom größten Friedhof der Stadt, dem Cimitero del Verano, umgeben.
Vom heiligen Laurentius und seinem frechen Mundwerk war hier schon die Rede, wenden wir uns also zunächst der Kirche zu. Ihre merkwürdig langgezogene Gestalt bezeugt eine ganz besondere Baugeschichte: Der größere Vorderteil der Kirche wurde im 13. Jahrhundert an eine Kirche aus dem 6. Jahrhundert angebaut. Deren Fußboden wurde um ein gutes Stück aufgefüllt, jedoch wurden wesentliche Teile der Ausstattung, darunter die Chorschranken und die Ambonen, vorher geborgen und anschließend auf der neuen Höhe wieder aufgestellt. Das Alte Schiff samt seinen Seitenschiffen wurde zum Chorraum. Diese ältere Kirche geht bis in die Zeit Kaiser Konstantins zurück und war so angelegt worden, daß das früher unter der Erde liegende Grab des Heiligen nun mitten in der Kirche zu stehen kam. Die zur späteren Anhebung des Bodens getroffenen Maßnahmen geben dem Kirchenraum ein ganz ungewöhnliches Aussehen. Der Bau war mit reichen Mosaiken und Fresken aus der Entstehungszeit der jeweiligen Bauteile geschmückt. Diese wurden bei der weitgehenden Zerstörung der Kirche durch alliierte Bombenangriffe 1943 zum großen Teil vernichtet.
Mit dem dritten Fastensonntag ging die Vorbereitung der Katechumenen auf die an Ostern erfolgende Taufe in ein entscheidendes Stadium: Die sogenannten Scrutinien - eine Art von Katechismusprüfung. Außerdem wurden die Katechumenen an diesem Tag dem auch heute noch zum überlieferten Taufritus gehörenden Exorzismus unterzogen. Die Liturgie des Tages reflektiert das insbesondere in den Lesungen: Die Epistel bringt aus dem Brief an die Epheser die ausführlich eingeleitete und begründete Ermahnung „Wandelt als Kinder des Lichtes“. Das Evangelium liest den Bericht Lukas' über die Austreibung des stummen Dämon, der bei seiner Rückkehr das Haus „gereinigt und geschmückt“ vorfindet und mit sieben anderen wieder einzieht: „Die letzten Dinge dieses Menschen werden ärger sein als die ersten“. Die Wahl der Grabeskirche des hl. Laurentius als Statio für diesen Tag begründet sich damit, daß Laurentius in besonderem Maße als Schutzheiliger der Katechumenen angesehen wurde.
Statio in Santi Marcellino e Pietro
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- 02. März 2013
Statio des Samstags nach dem zweiten Fastensonntag ist Santi Marcellino e Pietro al Laterano - wohl zu unterscheiden von Santi Marcellino e Pietro a Catacombe beim Mausoleum der Kaiserin Helena an der Via Casilina, gut außerhalb der Stadtmauern. Die heutige Stationskirche liegt demgegenüber nahe beim Lateran an der schnurgeraden Via Merulana - dem alten Pilgerweg zwischen Lateran und Maria Maggiore.
Auch diese Kirche gehört zu den alten Titelkirchen, erstmals wohl als Titulus Nicomedis Ende des 6. Jahrhunderts erwähnt. Von dieser alten Kirche und ihren Nachfolgebauten aus dem 8. und 13. Jahrhundert ist in der heutigen Kirche nichts mehr erhalten - sie ist von Grund auf ein Neubau aus der Mitte des 18. Jahhunderts. Damals wurden in der üblichen Tiefe unter dem heutigen Niveau Mauerreste der Vorgängerbauten gefunden, aber nicht systematisch erfasst. Die darüber erhaltenen Aufzeichnungen deuten jedoch daraufhin, daß diese Vorgänger größer waren als die heutige Kirche. Es steht zu vermuten, daß von diesen Bauten auch im 18. Jahrhundert kaum noch kümmerliche Reste erhalten waren: Das Areal war seit dem frühen Mittelalter nicht mehr besiedelt und diente teils als Gartenland, teils als Weide für Schafe und Rinder.
Die Heiligen Marcellinus und Petrus sind Märtyrer aus der Zeit der diokletianischen Verfolgungen - anscheinend war Marcellinus der Presbyter und Petrus der Exorcist einer Gemeinde. Die Legenda Aurea weiß zu berichteten, daß ihr leuchtendes Beispiel mehrere der für ihre Gefangenschaft zuständigen Beamten zum Glauben bekehrt habe, die alsdann mit ihnen getötet worden seien - schließlich sogar ihren Henker:
Da sah der Scharfrichter, Dorotheus mit Namen, wie die Seelen der Heiligen in lichten Kleidern und mit Edelsteinen geziert von den Engeln gen Himmel geführt wurden. Davon ward er zum Christenglauben bekehrt, und nach langer Zeit entschlief er in Frieden."
Die Liturgie des Tages berichtet in der Lesung vom Brüderpaar Jakob und Esau und bringt im Evangelium das Gleichnis vom Verlorenen Sohn und dessen unzufriedenem Bruder. Ein Zusammenhang zum geistigen Brüderpaar der Märtyrer des Tages ist zu vermuten, jedoch schwer eindeutig nachzuvollziehen.
Statio in S. Vitale
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- 01. März 2013
S. Vitale am Fuß des Quirinals - voller Name ist Santi Vitale, Valeria, Gervasio e Protasio - ist unter den 25 alten Tituli einer der jüngsten, er wurde zu Beginn des 5. Jahrhunderts von einer reichen Matrone namens Vestina gestiftet und war zunächst auch als „Titulus Vestinae“ bekannt. Da kurz danach die Verehrung des hl. Vitalis in Rom besonders populär wurde, widmete man die neue Kirche alsbald diesem Heiligen. Wie die meisten Kirchen aus dieser Zeit liegt S. Vitale weit unter dem heutigen Straßenniveau - und hier ist es ausnahmsweise auch einmal möglich, den Höhenunterschied sinnfällig ins Bild zu setzen. Der Fußboden hat das alte Niveau weitgehend bewahrt und wurde nie aufgeschüttet.
Der heutige Bau bewahrt in wesentlichen Teilen das Mauerwerk einer dort im 9. Jahrhundert errichteten Kirche auf, allerdings ist er kleiner als dieser Vorgänger, dessen Seitenschiffe bei einer Grunderneuerung im 15. Jahrhundert nicht wieder aufgeführt wurden. Das heutige sehr schlichte Äußere ist Resultat von Renovierungsarbeiten der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die bei vielen römischen Kirchen „historisch gewachsene“ Fassaden zugunsten einer archaisierenden Optik entfernten. Im Inneren bietet der Bau den Eindruck einer prächtigen barocken Anlage, die sich allerdings bei näherem Hinsehen zu großen Teilen als meisterlich gemalte Scheinarchitektur erweist.
Der hl. Vitalis und seine Gefährten werden seit alters her in Ravenna besonders verehrt, wo sie der Überrlieferung nach um das Jahr 60 in den neronischen Verfolgungen den Martyrertod erlitten. Vitalis wurde, nachdem er sich als Christ bekannt hatte, in eine tiefe Grube geworfen, die mit Steinen zugeschüttet wurde. Die Liturgie des Tages greift das auf. In der Lesung liest sie aus dem 1. Buch Mosis den Bericht über Joseph, der von seinen Brüdern in die Zisterne geworfen wurde. Das Evangelium bringt das Gleichnis Jesu vom Hausvater und dem Weinberg, in dem unter anderem davon die Rede ist, daß die ungetreuen Pächter die Diener des Herrn steinigten.
Berühmtester Träger des Titels eines Kardinalpriesters von S. Vitale war der Hl. John Fisher, der 1535 in der Katholikenverfolgung unter dem Apostatenkönig Heinrich VIII. auf Beschluß des Parlaments seiner Majestät enthauptet wurde.
Statio in S. Maria in Trastevere
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- 28. Februar 2013
Für den Donnerstag nach dem zweiten Fastensonntag bleibt die Statio auf der anderen Tiberseite - in Santa Maria in Trastevere. Die Kirche liegt gerade einmal 500 m entfernt von S. Cecilia in Richtung Vatikan, dazwischen übrigens die dritte transtiberianische Stationskirche, die aber erst am Montag nach dem Passionssonntag dran ist. Auch S. Maria in Trastevere gehört zu den sehr alten Titelkirchen - ihr Ursprung ist ein von Papst Kalixtus I. (217 - 222) für die Christengemeinde gestiftetes Haus nahe der alten Via Aurelia in dem bereits sehr früh eine zwar als Basilika bezeichnete, aber vermutlich doch eher bescheidene Kirche eingerichtet wurde. Die heutige Kirche steht über einer von Papst Julius I. mitte des 4. Jahrhunderts neben der alten Titulus-Basilika erbauten Kirche - Teile des Fundaments und einige Säulen wurden in 5 - 7 m Tiefe unter der heutigen Kirche lokalisiert, sind bislang jedoch erst in Ansätzen erforscht.
Der Bau der heutigen Basilika wurde durch Innozenz II. (1130 - 1143) errichtet und bestimmt im Wesentlichen auch noch das heutige Erscheinungsbild der Kirche. Erhalten sind auch die Mosaiken der Apsiskuppel aus der Gründungszeit im 12. Jahrhundert und die wenig später im 13. Jahrhundert von Cavallini geschaffenen an den Apsiswänden. Der Eindruck dieser Bildwerke kann nur als überwältigend beschrieben werden - sie erweisen die gegenwärtig bei deutschen Renovierungen mit Fleiß applizierten weißen Wände nicht nur als traditionslose Modeerscheinung, sondern auch als Ausdruck völliger künstlerischer und seelsorgerischer Impotenz. Und des Willens, sich keinesfalls überwältigen zu lassen - auch nicht vom Göttlichen.
Statio in S. Cecilia
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- 27. Februar 2013
Am Mittwoch nach dem zweiten Sonntag der Fastenzeit ist Statio in S. Cecilia in Trastevere - also außerhalb des eigentlichen Stadtkerns, und doch innerhalb des Bereichs, der seit der frühen Kaiserzeit immer zur Stadt gehörte und stets bewohnt war - wenn auch nicht immer von den vornehmsten Leuten. Zu den nächsten Stationskirchen auf der „guten“ Seite des Tiber sind es gerade einmal 10 Minuten zu Fuß.
Die heutige Kirche S. Cecilia steht am Ort eines Titulus Cæciliæ aus dem 4. Jahrhundert. Bei Ausgrabungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden etwa 4 m unterhalb des heutigen Fußbodens bedeutende Reste römischer Wohnbebauung, darunter auch eine Badeanlage, aufgefunden. Die hl. Cecilia, so weiß es die Überlieferung, habe im Bad ihrer Wohnung das Martyrium erlitten, wo sie nach einer verpfuschten Enthauptung noch drei Tage lang sterbend auf dem Boden gelegen sei. Ob es freilich dieses Bad dieses Hauses gewesen war, bleibt ungewiss.
Zur Liturgie des Tages schreibt Johann Peter Kirsch:
Epistel und Evangelium verknüpfen die Stationsmesse mit dem Ort ihrer Feier. Der heute als oratio Mardochai erscheinende Episteltext war nach den ältesten Handschriften ein Gebet Esthers, die hier als ein Gegenbild der hl. Cäcilia auftreten dürfte. Auch das Evangelium läßt eine Frau zum Herrn sprechen, die mit ihrer Fürsprache für ihre Söhne in Parallele zu der für Valerian und Tiburtius (vor ihr hingerichtete Verwandte) betenden Cäcilia treten könnte.“
Auf der öffentlich nicht ohne weiteres zugänglichen Empore der Kirche findet sich ein Mosaik von Pietro Cavallini aus dem Jahr 1289: Das Jüngste Gericht. Umgeben von Cherubim erwartet der Weltenrichter inmitten seiner Apostel und begleitet von seiner Mutter Maria und dem Vorläufer Johannes die Ankunft der Sterblichen und Gestorbenen, die von Posaunenengeln vor seinen Thron gerufen werden. Obwohl das Fresco durch spätere Umbauarbeiten teilweise beschädigt worden ist, gehört es zu den eindruckvollsten Bildwerken, die Rom mit seinem ungeheuren Kunstreichtum heute zu bieten hat.



