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Keine alte Messe für Erfurt?

Bild: Thuringius, Wikimedia CommonsDer Erfurter Bischof Neymeyer hat Gläubigen, die um die Einrichtung einer Sonntagsmesse im überlieferten Ritus gebeten hatten, am 4. Januar folgenden Bescheid erteilt: „Vor allem aufgrund der extremen und besonderen Diasporasituation bin ich nun zu dem Entschluß gekommen, keinen Kirchort für die Feier der Heiligen Eucharistie und der anderen Sakramente und Sakramentalien im ‚außerordentlichen Ritus‘ im Bistum Erfurt einzurichten.“

Nun, ein Verbot der überlieferten Liturgie für das Bistum ist das nicht – ob der Bescheid in Übereinstimmung mit den Vorgaben der Art. 5 und 7 von Summorum Pontificum steht, nach denen der Bischof „nachdrücklich ersucht“ wird, solchen Wünschen Rechnung zu tragen, steht auf einem anderen Blatt. Aber man muß die Angelegenheit ja gar nicht allein unter ihrem rechtlichen Aspekt betrachten. Bischof Neymeyer begründet seine Entscheidung mit administrativen Überlegungen, denen vermutlich schwer zu widersprechen ist. Auch ohne nähere Kenntnis der örtlichen Situation klingt es glaubhaft, daß es ihm in seinem Diasporabistum nicht leicht fällt, mit eigenen Kräften eine weitere Sonntagsmesse einzuplanen. Das wäre freilich auch gar nicht in jedem Fall notwendig, denn gerade für solche Fälle sollten Gemeinschaften der überlieferten Liturgie wie die Petrusbruderschaft in der Lage sein, mit eigenen Kapazitäten einzuspringen. Auch dann, wenn Erfurt bzw. das ganze Gebiet der früheren DDR nicht gerade im Zentrum ihres Arbeitsfeldes liegt. Erst wenn ein Bischof ein derartiges Angebot ablehnen sollte, könnte man in der Tat von einem juristischen Problem ausgehen.

Für Erfurt bietet sich aber auch eine über den Kreis der Ecclesia-Dei-Gemeinschaften hinausgehende Regelung an. Bereits heute kommt mindestens einmal im Monat ein Priester der Piusbruderschaft zur Sonntagsmesse nach Hopfgarten bei Weimar. Nachdem der Papst die Priester der Bruderschaft bereits Ende 2016 mit unbegrenzter Facultas zur Spendung des Beichtsakraments ausgestattet hat – was spricht denn dagegen, daß sich Verantwortliche des Bistums und der Bruderschaft einmal zum – nennen wir es „Dialog auf Augenhöhe“ – zusammensetzen, um eine Übereinkunft zum Wohl der Gläubigen im Bistum zu erreichen?

Aus für Mariawald

Rorate Cæli meldet unter Berufung auf eine Nachricht bei Gloria TV, daß die Trappistenabtei Mariawald in diesem Jahr geschlossen und abgewickelt werden soll. Die Mönche werden auf andere Abteien verteilt, das Personal wird entlassen. Die Gebäude und die Kirche fallen an das Bistum Aachen.

Eine offizielle Bestätigung dieser Meldung seitens des Ordens oder des Bistums liegt momentan noch nicht vor, es besteht jedoch kein Grund, an der Korrektheit zu zweifeln. Mariawald war im November 2008 mit speziellem Privileg von Papst Benedikt XVI zum überlieferten Ritus und der traditionellen Regel des Trappistenordens zurückgekehrt. Hintergrund dieser Entwicklung war die Tatsache, daß der kleine Konvent – wie mit wenigen Ausnahmen alle deutschen Klöster – stark überaltert und schon damals von Schließung bedroht war. Die Mönche hatten dann den verhältnismäßig jungen und als Spätberufenen aus der Wirtschaft ins Kloster gekommenen Josef Vollberg zum Abt gewählt, weil sie sich von dessen Tatkraft eine Wende erhofften. Als diese Wende sich dann aber in Form einer Rückwendung zur Tradition konkretisierte, verweigerte ein Teil der Brüder die Mitwirkung und die Gemeinschaft zerfiel in Fraktionen. Unter diesen Umständen konnte das Projekt die anfangs durchaus vorhandene Anziehungskraft nach Außen nicht entfalten, Versuche, neue Mitglieder für den Konvent zu gewinnen, blieben weitgehend erfolglos - und die Überalterungsuhr tickte erbarmungslos weiter.

Im Oktober 2016 wurde dann der Rücktritt von Abt Vollberg gemeldet, die kanonische Leitung des Konvents ging an die Abtei Tilburg in den Niederlanden über, P. Vollberg blieb als Prior Oberer in Mariawald. Seine damals geäußerte Hoffnung, Mariawald werde mit Unterstützung aus Tilburg einen neuen Anlauf zur Gewinnung von Kandidaten nehmen können, hat sich nicht erfüllt; der Konvent verlor durch Todesfall weitere Mitglieder. Unter diesen Umständen ist die jetzt eingeleitete Auflösung des Klosters nur ein konsequenter Schritt in einer betrüblichen Entwicklung, die alle Zweige des Ordenslebens betrifft - mit Ausnahme der Orden und Gemeinschaften, die sich ausdrücklich der überlieferten Liturgie verschrieben haben.

Ob diese Entwicklung für Mariawald durch die Hinwendung zur Tradition mit größerer Unterstützung durch die Ordensleitung umgekehrt werden hätte können, steht dahin. Solche Unterstützung zu erwarten, war vielleicht überoptimistisch. Die Machthaber in der Kirche tun sich schon schwer genug, Gemeinschaften zu tolerieren, die mit dem Charisma der Rückbindung an die Tradition gegründet worden sind. Ein „Rückfall“ zur Tradition durch bereits „erfolgreich reformierte“ Gemeinschaften passt nicht ins Bild.

Bischofsbesuch in Paderborn

Bild: W.K.Aus Paderborn erreichte uns bereits vor einigen Tagen folgender Bericht und das nebenstehende Bild zu einem Besuch des Ortsbischofs bei den „Tridentinern“:

Am 6. August, dem Fest der Verklärung des Herrn besuchte Erzbischof Hans Josef Becker die Gottesdienstgemeinde seines Erzbistums zum Hochamt in der Kapuzinerkirche. Etwa 150 Personen hatten sich eingefunden, auch aus anderen Gemeinden es Bistums waren Gläubige zur Mitfeier angereist. In seiner Predigt vermied der Erzbischof jeden direkten Hinweis auf die liturgische Form, der er beiwohnte und beschränkte sich auf eine Homilie zum Evangelium von der Verklärung Christi. Viele hatten wohl erwartet, daß der Bischof bei seinem Besuch die Initiative ausdrücklich guthieß, die vor zehn Jahren zur regelmäßigen Praktizierung der Messfeiern in der ao. Form in Paderborn führte, vielleicht auch die Aussicht auf eine weitere Ausdehnung der Erlaubnis eröffnete. Das blieb aus. Die Bedeutsamkeit des Besuchs des Erzbischofs lag in der Tatsache, daß der Oberhirte diese Gottesdienstgemeinde besuchte, wie jede andere Gemeinde seines Bistums auch, und gemeinsam mit ihr die Heilige Messe feierte. Das Signal war und ist: Ihr seid keine Außenseiter, ihr gehört fest zur Erzdiözese Paderborn, auch in dieser Form ist der Bischof bei euch. Das Beispiel S. E. Hans Josef Becker könnte eigentlich Schule machen. Warum ist so etwas nicht in jedem Bistum möglich? Die Paderborner jedenfalls sagen dem Erzbischof Dank für diese Initiative.

Benedikt und der alte Ritus

Gestern war die neue Ausgabe der UVK-Korrespondenz im Briefkasten. Sie enthält neben einem Schwerpunkt mit Vorträgen von der Kölner Liturgischen Tagung gleich drei Beiträge von Martin Mosebach, auf die hier bereits einmal vorab hingewiesen werden soll. Das ist einmal sein bereits im März und zunächst in englischer Sprache auf First Things veöffentlichter Text „Zurück zur Form“, den wir bereits hier etwas ausführlicher vorgestellt hatten. Nun also schwarz auf weiß gedruckt - unbedingt lesenswert. Dann kann man in dieser Ausgabe der UVK das Doppelinterview der Tagespost mit Martin Mosebach und dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation Kardinal Müller über die liturgische Tradition nachlesen, über das wir anfang Juni ebenfalls schon kurz berichtet hatten. Auf der Website der Tagespost ist es inzwischen hinter einer Paywall verschwunden. Ein guter Grund, sich diese Ausgabe der UVK zu besorgen.

Eine Überraschung war für uns der bis jetzt noch nicht an anderer Stelle erschienene Text Mosebachs, der unter der Überschrift „Benedikt XVI. zum 90. Geburtstag“ auf 12 Druckseiten weitaus mehr bietet als einen Geburtstagsgruß. Einen Schwerpunkt bilden die überaus kritischen Gedanken des Autors zur kirchenhistorischen Bedeutung des kurzen Pontifikats und vor allem des unerhörten Aktes seiner Abdankung. Selten wurden die Stärken, aber auch die großen Schwächen des von Joseph Ratzinger bereits als Präfekt der Glaubenskongregation gemeinsam mit Papst Johannes Paul II verfolgten Kurses der Vereinbarung von Unvereinbarem so deutlich angesprochen. Ins Zentrum stellt Mosebach dabei Ratzingers Begriff der „Hermeneutik der Kontinuität“ und das daraus abgeleitete Konzept einer „Reform der Reform“.

Dieses Konzept - so Mosebach - mußte scheitern, weil es letztlich in einer Denkhaltung begründet ist, die sich in der Kirche des Westens seit tausend Jahren immer stärker ausgebreitet hat und schließlich Vorläufer und Nährboden der säkularistischen Moderne überhaupt geworden ist: Der Versuchung, auch und gerade in der Liturgie das Rationale zu verabsolutieren und das Geheimnis des Erlösungsopfers hinter der Frage „Wann und wie geschieht die Transsubstation“ zurücktreten zu lassen. In dieser das westliche Denken schon seit vor der Reformation plagenden Fragestellung sieht Mosebach wohl nicht zu Unrecht die Wurzel des liturgietechnischen Ingenieurtums, das uns Bugnini und den Novus Ordo eingebracht hat. Hier äußert Mosebach eine Fülle von Überlegungen, die hoffentlich auch die Fachleute der Liturgiewissenschaft - soweit sie sich denn der Wissenschaft und nicht bloßer Ideologie verpflichtet sehen - vertiefen werden.

Eine Vorstellung weiterer Beiträge der UVK 2017-II soll folgen, wenn wir mit der Lektüre weiter vorangekommen sind.

Zu bekommen - am besten im Abonnement – ist die UVK über die Website der deutschen Una Voce

Die Folgen des Bruches

Bild: eigene GrafikDie deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht auf ihrer Website eine Statistik der Priesterweihen in den deutschen Diözesen der Jahre 1962 – 2015. Das dort nur als Tabelle gebotene Zahlenwerk ist ziemlich unanschaulich. Wir haben es um die Zahlen für 2016 und 2017 ergänzt (nach katholisch.de) und die Ergebnisse in einem Diagramm visualisiert. Das Ergebnis ist niederschmetternd und bedarf keines weiteren Kommentars. Immerhin erklärt es deutlicher als jedes Pastoralgeschwurbel, warum einstmals bedeutende Bistümer wie Trier in ihren „Zukunftskonzepten“ die Zahl der Pfarreien von über 900 auf 35 reduzieren. Die letzten noch lebenden Priester der Weihejahrgänge aus der Zeit vor dem Konzil sind über 80 Jahre alt. Die bereits nur noch halb so starke Zahl der Angehörigen des „Zwischenhochs“ von 1982 bis 1992 geht auch schon auf die 60 zu und zeigt deutliche Ausfallerscheinungen – nicht nur gesundheitlich. Danach kommt nur noch wenig, bisheriger Tiefstand war 2015 mit 58 geweihten Diözesanpriestern für ganz Deutschland – 10% des Weihejahrgangs 1962 (557).

Diese Zahl von 2015 entspricht ziemlich genau der Zahl der Priester, die weltweit im laufenden Jahr in den Gemeinschaften des überlieferten Ritus geweiht worden sind: Pius 23, Petrus 19, Christus König 6 und Bon Pasteur 5 - macht 53.

Man kann diesen Vergleich als Ausdruck eines unguten Konkurrenzdenkens ablehnen, unter Hinweis darauf, daß Deutschland schließlich nicht die Welt sei, zurückweisen, oder durch Herausrechnen der Priester der FSSPX relativieren. Damit entgeht man jedoch nicht der Feststellung, daß es bei diesen jungen Gemeinschaften offensichtlich einen Gegentrend zu der nicht nur in Deutschland vorherrschenden Tendenz zur Selbstabschaffung gibt. Und dem schließt sich in jedem Fall die Frage an, wieso die römische Kirche sich – von einer überschaubaren Zahl lokaler Ausnahmen abgesehen – so entschieden weigert, das hier sichtbare Potential zu nutzen.

Seit über 50 Jahren sehen sich die Propagandisten des „Neuen Frühlings“ Jahr für Jahr durch die Tatsachen widerlegt. Trotzdem bleiben sie wider alle Vernunft bei ihrer Linie, die sie mit zunehmendem Absolutheitsanspruch bekräftigen: Heilmittel für morgen soll noch mehr von dem sein, was schon gestern nichts geholfen hat. Anscheinend sehen die Modernisten den von Ihnen nach 1965 eingeleiteten und in Worten stets geleugneten, in Taten aber immer stärker vollzogenen Bruch mit der Vergangenheit der Kirche als so tiefgehend an, daß er ihnen unüberwindbar erscheint.

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