Bereichsnavigation Themen:

Zum Fest der Dreifaltigkeit

 

Bild: Aus einem Pustet-Missale von 1900Schon wieder ein Hochfest, schon wieder ein Schmalzl. Das läßt sich in diesem Jahr nicht vermeiden. Die stets problematische bildliche Darstellung der Trinität im Zentralbild erscheint auf den ersten Blick sehr konventionell, auf den zweiten Blick wird sichtbar, daß Schmalzl sich der Probleme sehr wohl bewußt ist und sie im Rahmen des mit den Mitteln des Holzschnitts Möglichen auch berücksichtigt.

Der Vater und der Sohn gleichen einander buchstäblich von Kopf bis Fuß als Spiegelbilder: "consubstantialem Patri". Nur die Merkmale des Alters sind verschiedenie, Falten und Bart; Die Wundmale des Auferstandenen. Minimale Abweichungen in Gewand und Gürtel der Personen nutzen den engen Spielraum, den die Präfationen zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit bietet, voll aus: „In personis proprieatas, et in essentia unitas, et in majestate adoretur aequalitas“.

Dementsprechend sind die Nimben und die Kronen exakt die Gleichen - auch für den im Bild der Taube dargestellten Geist, dessen in der Kunst soweit wir sehen nur sehr selten dargestellte Krone aus leicht nachvollziehbaren Gründen über der ihn ganz umgebenden Mandorla platziert ist. Die Nimben aller drei Personen sind mit dem Zeichen des Erlöserkreuzes markiert - nicht völlig exzeptionell, aber doch zumindest für die Kunst des Westens eher ungewöhnlich. Jedoch in voller Übereinstimmung mit dem Kommuniongebet des Priesters: Domine Jesu Christe, Filii Dei vivi, que ex voluntate Patris, cooperante Spirito Sancto, per mortem tuam mundum vivificasti. (Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes; dem Willen des Vaters gehorsam hast Du unter Mitwirkung des Heiligen Geistes durch Deinen Tod der Welt das Leben geschenkt.)

Die Welt selbst, die in einer durchaus geozentrischen Weise die Mitte der Darstellung bildet, steht ganz in der Hand und der Herrschaft des Vaters und des Sohnes und wird erfüllt und erhalten von der Macht des Heiligen Geistes.

Quasi als Ausgleich für die taubengemäß geringere Größe der Darstellung hat die Geisttaube ihre eigene Mandorla, die sie in der Wahrnehmung „auf Augenhöhe“ mit den Gestalten der beiden anderen Personen bringt. Die sieben Geistesflammen der Mandorla des Geistes wiederholen sich auf der großen Mandorla, die die ganze Szene umgibt. Ob sie für die sieben Gaben des Geistes oder die 7 Sakramente der Kirche stehen, kann hier unentschieden bleiben.

Weiterlesen...

Nachgeholt zu Mariä Himmelfahrt

 

Bild: Aus einem Pustet-Missale von 1900Heute beginnt in Frankfurt die von vielen Beobachtern als „entscheidend“ deklarierte vierte Vollversammlung des Synodalen Wandervereins – als ob nicht alle Kompromissformeln längst ausgehandelt und alle Entscheidungen längst getroffen wären. Das Nicht-Ereignis bietet uns willkommene Gelegenheit, am heutigen Fest der Geburt Marias zunächst die Illustration Max Schmalzls zum Fest Marä Himmelfahrt „nachzuholen“, deren Vorstellung am Festtag selbst, dem 15. August, wegen unserer Sommerpause entfallen war. Die Illustration zu Mariä Geburt, kammt dann morgen dran, da das Frankfurter Nicht-Ereignis dann immer noch andauert.

Natürlich gibt es, auch wenn der fromme Sprachgebrauch es anders hält, nicht wirklich ein Fest Mariä Himmelfahrt. „Assumptionis“ heißt es im Missale, Aufnahme Mariens, denn nicht aus eigener Kraft ist die Gottesmutter in die Gegenwart ihres Sohnes aufgestiegen, sondern sie wurde von ihm aufgenommen, noch bevor das Gesetz des Zerfalls alles Irdischen den Körper der Gottesgebärerin zum Staub zurückholte.

In der Kunst wird der Unterschied zwischen der Himmelfahrt des Gottmenschen und der Aufnahme seiner menschlichen Mutter in die göttliche Gegenwart oft verwischt. Dann gleicht sich die Szenerie bis in die Einzelheiten, wenn das Bild des Sohnes oder die seiner Mutter von Wolken getragen und von Engeln begleitet im ewig blauen Sommerhimmel emporsteigen. Auch in manchen Missale-Illustrationen zum Fest wird diese Bildidee aufgegriffen, vorzugsweise im Barock, aber wir sahen es auch noch in einem Missale von Desclée aus dem späten 19. Jahrhundert.

Von dieser Bildvorstellung setzt sich Max Schmalzl in seiner 1885 datierten und dem Pustet-Missale von 1900 entnommenen Grafik geradezu demonstrativ ab. Er zeigt nicht die „Himmelfahrt“, sondern in einer durchaus statisch wirkenden Szene die Aufnahme, die Begrüßung Mariens durch ihren als Priesterkönig gewandeten Sohn in der Glorie des Himmels. Zwei Engel tragen die Gewänder der schwebenden Gestalten, zwei weitere eilen mit Kronen herbei, die wohl beide für Maria bestimmt sind: Die eine Krone mit Lilien, die andere mit Rosen.

Die betexteten Felder mit der Typologie zeigen links König David, der Harfe spielend die Übertragung der Bundeslade nach Jerusalem anführt, und rechts eine Szene aus dem Buch Judith 15,9 , wo die Priester des Tempels das Lob der Frau singen, die gerade dem assyrischen Feldherrn Holofernes des Kopf abgeschlagen hat: „Du bist der Ruhm Jerusalems, du bist die große Freude Israels und der Stolz unseres Volkes.“ Der Vers passt sofort, bei der Szene darf man freilich nicht nur an den Typus Judith denken, sondern muß den Blick weiten auf „die Frau, die der Schlange den Kopf zertreten wird“.

Die Quellenangabe zum Text  „2. Buch der Könige“ bezieht sich auf die Einteilung und Benennung der Bücher nach Septuaginta und Vulgata - also nach traditionellem katholischem Gebrauch. In der Lutherbibel und modernen protestantisierenden Übersetzungen, darunter auch der sog. Einheitsübersetzung, findet man die Stelle im 6. Kapitel des zweiten Buches Samuel, Vers 12, wo es heißt: „Und er ließ die Lade aus dem Haus des Obed-Edom herbeiholen“. Die marianische Konnotation stammt aus der lauretanischen Litanei, die Maria als die „Arche/Lade des (neuen) Bundes“ besingt. Darauf, wie hier der Edomiter Obed ins Bild kommt, wird gelegentlich gesondert einzugehen sein.

Aus der lauretanischen Litanei stammen auch die Bilder zu den Eckvignetten, von rechts oben im Uhrzeigersinn: Vas spirituale – Gefäß des Heiligen Geistes; Vas insigne devotionis – Gefäß der vollendeten Hingabe; Vas honorabile – verehrungswürdiges Gefäß und schließlich Sedes Sapientiae – Thron der Weisheit. Dabei ist auch hier dieser Thron oder Sitz der Weisheit durch das Bild der Flamme als „Besitz“ des Heiligen Geistes gekennzeichnet.

Da die Verse der Litanei eine feststehende Ordnung haben, können wir dem entnehmen, daß Schmalzl nicht wie wir nach dem Uhrzeigersinn geordnet hat, sondern Oberzeile links - Oberzeile rechts - Unterzeile links - Unterzeile rechts. Wir werden das künftig berücksichtigen.

Christi Himmelfahrt im Missale

Bild: eigene ReproduktionZum Fest Christi Himmelfahrt zeigt das Pustet-Missale von 1900 im Zentralbild der Illustration Max Schmalzls eine zunächst durchaus konventionell anmutende Darstellung, die dennoch einige Besonderheiten aufweist. Am auffälligsten vielleicht ist die starke Konzentration auf die irdische Perspektive: Der Himmel ist nur durch die in der mittelalterlichen Kunst gebräuchlichen Sphären-Bänder einer unvollständigen Mandorla angedeutet, die sonst so beliebten Engel und Wolken fehlen ganz. Von der Jüngerschar sind elf Personen vertreten – offenbar nur die Apostel, ein Nachfolger für Judas war noch nicht gewählt. Ganz selbstverständlich ist die Anwesenheit Mariens, die ihrem entschwindenden Sohn in anbetender Haltung mit den Blicken folgt.

Nicht exzeptionell, aber in der westlichen Kunst eher ungewöhnlich ist die Darstellung des Steins mit den Fußabdrücken des Auffahrenden. Über den Stein tief gebeugt eine Frauengestalt mit unter dem Schleier hervorwallenden langem Haar: Sie soll sicher an Maria Magdalena erinnern, die einst die Füße des Herrn mit den Tränen über ihre Sünden wusch und mit ihren Langen Haaren trocknete. An der Vorderseite trägt der Stein die Künstlersignatur FMS. Diese Gestalt der Maria Magdalena und das Monogramm waren in einer früheren wohl ebenfalls von Schmalz gezeichneten Version des Auferstehungs-Bildes (Pustet 1884) noch nicht enthalten

Die Gegenstände der typologischen Vignetten ergeben sich bei diesem Thema von selbst: Links der gottesfürchtige Henoch, der von einem Engel in den hier als vollständige Mandorla symbolisierten Himmel begleitet wird: „Er ward nicht mehr gesehen, denn Gott nahm ihn weg“ (Gen 5, 24). Rechts die Wegführung des Elias von seinem Schüler und Nachfolger Elisäus: Da kam ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden und trennte sie voneinander „(und Elias fuhr im Sturmwind auf zum Himmel)“ (4. Könige 2, 11). In den Eckvignetten kommen dann noch die im Mittelteil fehlenden Engel ins Bild; drei davon machen Musik, und der vierte hält ein Spruchband mit der Erläuterung: „Gott stieg empor unter Jubel, der Herr beim Schall der Hörner“. Das ist wörtlich zitiert aus Psalm 46 (Vulgata, Vers 6) und gibt dem ganzen seienen typologischen Rahmen.

Weiterlesen...

Frohe Pfingsten!

 

 

Bild: Aus einem Pustet-Missale von 1900Das Zentralbild – links unten gezeichnet mit einem der Monogramme Schmalzls und datiert 1889 – zeigt eine auf den ersten Blick höchst konventionelle Darstellung der Pfingstszene im Obergemach mit den um Maria versammelten zwölf Aposteln. Nach der inzwischen erfolgten „Nachwahl“ des Matthias (Apg 1, 21-26) sind es wieder zwölf. Beim näheren Hinsehen fällt auf, daß die Gottesmutter in ungewöhnlicher Weise hervorgehoben istz. Zwar fehlt sie auf keiner traditionellen Darstellung der Pfingstszene und hat dort auch sehr oft eine zentrale Stellung inne. Aber hier sitzt sie nach dem Vorbild einiger Ikonen des Ostens in reicher Gewandung auf einem prächtigen Thron, der durch das Sitzkissen mit höchster Ehre ausgezeichnet ist.

Gänzlich einmalig ist unserer ikonographischen Kenntnis nach der Schmuck dieses Thrones mit den Cherubim von der Bundeslade des Tempels. Die dort sitzt ist nicht mehr nur die – wenn auch hoch geehrte – Landfrau aus Nazareth, als die sie noch in früheren Ausgaben des Missales erschien. Hier ist sie die Himmelskönigin und Lade des neuen Bundes, Arca Foederis. Mit diesem Vorgriff auf die Maria der lauretanischen Litanei wird das eigentliche Thema, die Ausgießung des Geistes, hier in jeder Hinsicht an den Rand gerückt; die konventionellen Feuerzungen erscheinen fast zum Stirnschmuck reduziert. Wie zum Ausgleich dafür ist die obligatorische Geisttaube noch einmal mit einem Kranz von Feuerzungen umgeben. Es sind sieben – die Sieben Gaben des Heiligen Geistes.

Weiterlesen...

Prozessionen und Litaneien zu den Bittagen.

Am Donnerstag dieser Woche, dem 40. Tag nach der Auferstehung,  feiern wir das Fest Christi Himmelfahrt – und den Anfang dieser Woche markieren traditionsgemäß die Bittage, an denen die Gläubigen mit Gottesdiensten und Prozessionen den Segen Gottes für die Erträge ihrer Arbeit erflehen. Über die bis ins 5. Jahrhundert zurückreichende Tradition dieser Gebetstage haben wir im vergangenen Jahr ausführlich berichtet. Dessen Lektüre können wir auch in diesem Jahr durchaus noch empfehlen. Gestern und heute hat  nun Fr. Hunwicke zwei Beiträge veröffentlicht, in denen er einen Blick auf die vorchristliche Tradition dieser Tage zu werfen versucht. Im Mai beginnt sichtbar die Wachstums- und Reifezeit der Feldfrüchte, und daher hatten die vom Ackerbau lebenden Menschen in diesen Wochen schon immer das Bedürfnis, die höheren Mächte – ohne deren Zutun kein Wachstum und keine Ernte vorstellbar war – um ihren Segen für das Gedeihen der Äcker zu bitten. Die beiden Beiträge Fr. Hunwickes sind hier im Original und in deutscher Übersetzung beim Beiboot Petri nachzulesen. Wir zitieren daher hier nur die letzten Absätze des zweiten Beitrags, weil sie so gut zu unserem in der vergangenen Woche gebrachten Beitrag zum Thema Inkulturation passen:

Ich habe das Gefühl, daß die Bittage uns höchst wahrscheinlich in die verwirrende Welt der volkstümlichen römischen Religion in den Jahrhunderten vor der Ankunft des Christentums zurückführen, in eine Zeit, als die Menschen noch viel näher an der Erde und ihren Jahreszeiten lebten, ohne sich dazu eine Gaja, „Unsere gemeinsame Heimat“ oder Pachamama ausdenken zu müssen oder sich als Neu-Druiden und Wicca zu verkleiden.

Der Verlust dieser uralten inkulturierten Begängnisse in der Form, in der das Christentum sie transformiert und weiter überliefert hatte, ist nur eine weitere jener Verwüstungen, die die Leute hinterlassen haben, die nach dem Ende des Konzils die Macht an sich gerissen haben – in jener Periode, die nach den Worten des armen unwissenden Arthur Roche so große Bereicherung mit sich gebracht haben soll.

Unterkategorien

  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

Zusätzliche Informationen